Unternehmenskauf: Ablauf, Prüfschritte und Haftung für Käufer
IGCP Capital Partners · Veröffentlicht am

Fünf Phasen von der Ansprache bis zum Closing, die Formvorschriften bei GmbH-Anteilen und die Haftungsnormen, die unabhängig vom Kaufvertrag greifen — plus die neue 75-Prozent-Schwelle bei der Grunderwerbsteuer.
Ein Unternehmenskauf läuft in fünf Phasen ab: Zieldefinition und Ansprache, Vertraulichkeit und erste Unterlagen, Absichtserklärung mit Preisrahmen, Due Diligence, dann Kaufvertrag und Closing. Wer in Österreich eine GmbH kauft, braucht für die Anteilsübertragung einen Notariatsakt; wer einen Betrieb als Asset Deal übernimmt, übernimmt Verträge, Mitarbeiter und einen Teil der Altlasten kraft Gesetz — auch ohne das im Vertrag zu wollen.
Dieser Artikel beschreibt den Ablauf aus Sicht des Käufers: welche Schritte in welcher Reihenfolge sinnvoll sind, welche Formvorschriften nicht verhandelbar sind und welche Haftungen mit dem Betrieb mitkommen. Wenn Sie ein konkretes Zielunternehmen prüfen oder erst eines suchen, führt der Weg über Unternehmen kaufen.
Für Verkäufer ist derselbe Prozess unter Ablauf eines Unternehmensverkaufs beschrieben. Die Reihenfolge ist dieselbe, die Interessen sind gegenläufig — und genau deshalb lohnt es, die Gegenseite zu verstehen.
Phase 1: Suchprofil statt Opportunismus
Die meisten gescheiterten Käufe scheitern nicht in der Due Diligence, sondern vor dem ersten Gespräch: Der Käufer hat kein Suchprofil und prüft deshalb alles, was ihm angeboten wird. Ein belastbares Profil legt vier Dinge fest: Branche und Geschäftsmodell, Größenordnung (Umsatz, Ergebnis, Mitarbeiterzahl), Region und die Rolle, die Sie selbst nach dem Kauf einnehmen wollen — operative Geschäftsführung oder Beteiligung mit bestehendem Management.
Der letzte Punkt entscheidet mehr als alle anderen. Ein Unternehmen, dessen Inhaber alle Kundenbeziehungen persönlich hält, ist für einen Käufer ohne Branchenerfahrung ein anderes Risiko als für einen Wettbewerber. Wo Zielunternehmen tatsächlich zu finden sind — Börsen, Berater, Direktansprache —, zeigt der Überblick zu Unternehmen zu verkaufen.
Phase 2: Vertraulichkeit, Teaser, Unterlagen
Seriöse Verkaufsprozesse geben Zahlen erst nach Unterzeichnung einer Vertraulichkeitsvereinbarung heraus. Als Käufer bekommen Sie zuerst ein anonymisiertes Kurzprofil, danach — nach NDA — das Information Memorandum mit Geschäftsmodell, Zahlen der letzten Jahre und Planung.
Was Sie in dieser Phase leisten müssen, ist eine Grobbewertung mit unvollständigen Daten. Die üblichen Fehler: die Planzahlen des Verkäufers als gegeben nehmen und den Unternehmerlohn nicht einrechnen. Wenn der Inhaber sich unter Marktniveau bezahlt hat, ist das ausgewiesene Ergebnis zu hoch — nach dem Kauf müssen Sie eine Geschäftsführung finanzieren. Wie diese Bereinigungen funktionieren, steht in Was ist mein Unternehmen wert.
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Kostenloses Erstgespräch anfragen →Phase 3: Letter of Intent — der Preisrahmen, bevor Sie Geld ausgeben
Der Letter of Intent ist die Stelle, an der ein Käufer erstmals eine Zahl nennt, und zugleich die Stelle, an der er sich Exklusivität sichert. Beides gehört zusammen: Eine Due Diligence kostet Beratungshonorare, und die geben Sie nur aus, wenn der Verkäufer in dieser Zeit nicht parallel mit anderen verhandelt.
Ein brauchbarer LOI enthält eine Preisspanne mit den Annahmen, auf denen sie ruht, die geplante Transaktionsstruktur, den Zeitplan, die Exklusivitätsfrist und die Bedingungen, unter denen Sie aussteigen. Was er nicht enthalten sollte, ist ein Festpreis ohne Prüfung — jede spätere Reduktion wirkt dann wie ein Nachverhandeln aus Taktik, nicht aus Befund.
Phase 4: Due Diligence — und was Käufer dabei systematisch übersehen
Die Due Diligence prüft Finanzen, Recht, Steuern, Personal und Operatives. Für Käufer von Nischenunternehmen sind vier Bereiche in der Praxis überproportional oft der Grund für Preisabschläge:
Kundenkonzentration. Wenn ein Kunde für einen erheblichen Teil des Umsatzes steht, kaufen Sie nicht ein Unternehmen, sondern eine Kundenbeziehung — prüfen Sie Vertragslaufzeiten und Kündigungsrechte, nicht nur Umsatzanteile.
Change-of-Control-Klauseln. Miet-, Liefer- und Kreditverträge können ein Sonderkündigungsrecht bei Eigentümerwechsel enthalten. Das ist beim Anteilskauf besonders relevant, weil die Gesellschaft formal dieselbe bleibt und diese Klauseln der einzige Hebel der Gegenseite sind.
Abhängigkeit vom Inhaber. Fachliche Berechtigungen, technisches Wissen, Preisverhandlungen — je mehr davon an einer Person hängt, desto länger muss die Übergabephase vertraglich abgesichert sein.
Arbeitsrecht und Altansprüche. Urlaubsrückstände, Abfertigungsansprüche aus Vordienstzeiten und kollektivvertragliche Einstufungen wandern mit. Die Wirtschaftskammer weist ausdrücklich darauf hin, dass Übernehmer diese Positionen vor dem Kauf prüfen sollten.
Phase 5: Asset Deal oder Share Deal — die Entscheidung mit den größten Folgen
Beim Anteilskauf (Share Deal) erwerben Sie die Gesellschaft mit allem, was in ihr steckt: Verträge, Genehmigungen, Mitarbeiter, aber auch unbekannte Verbindlichkeiten und Steuerrisiken der Vergangenheit. Beim Asset Deal kaufen Sie einzelne Wirtschaftsgüter und können Verbindlichkeiten grundsätzlich zurücklassen — dafür müssen Verträge und Genehmigungen neu geordnet oder übertragen werden.
Käufer bevorzugen den Asset Deal, Verkäufer in Österreich meist den Share Deal, weil die Veräußerung von Anteilen steuerlich anders behandelt wird als der Verkauf von Wirtschaftsgütern. Der Vergleich beider Strukturen mit Steuerfolgen steht in Asset Deal oder Share Deal, die österreichischen Besonderheiten in Asset Deal in Österreich.
Wichtig für die Erwartungshaltung: Die Struktur ist Teil des Preises. Wer den Käuferwunsch Asset Deal durchsetzt, zahlt in der Regel dafür — und umgekehrt.
Formvorschriften in Österreich: Notariatsakt und Firmenbuch
Die Abtretung von GmbH-Geschäftsanteilen unter Lebenden bedarf in Österreich eines Notariatsakts (§ 76 Abs. 2 GmbHG). Dieselbe Form gilt für Vereinbarungen, mit denen sich ein Gesellschafter zu einer künftigen Abtretung verpflichtet — eine Option oder ein Vorvertrag per E-Mail ist damit unwirksam. Der Gesellschaftsvertrag kann zusätzliche Bedingungen vorsehen, insbesondere die Zustimmung der Gesellschaft. Für die Verpfändung eines Anteils ist dagegen kein Notariatsakt nötig.
Nach dem Notariatsakt wird der Gesellschafterwechsel zum Firmenbuch angemeldet. Praktische Konsequenz für den Zeitplan: Notartermin, Zustimmungserklärungen und gegebenenfalls Bankfreigaben müssen auf einen Tag koordiniert werden. Der Ablauf im Detail steht in Notariatsakt und Firmenbuch sowie in Verkauf in Österreich.
Welche Haftung Sie als Käufer gesetzlich mitkaufen
Beim Kauf eines Unternehmens oder Betriebs greifen in Österreich mehrere Haftungsnormen unabhängig davon, was im Kaufvertrag steht:
Vertragsverhältnisse und Verbindlichkeiten (§ 38 UGB). Bei Unternehmensübergang übernimmt der Erwerber die unternehmensbezogenen, nicht höchstpersönlichen Rechtsverhältnisse des Veräußerers samt Rechten und Verbindlichkeiten, soweit nichts anderes vereinbart ist. Vertragspartner und Sicherheitenbesteller können der Übernahme binnen drei Monaten nach Mitteilung widersprechen. Ein Haftungsausschluss zwischen Käufer und Verkäufer wirkt gegenüber Dritten nur, wenn er im Firmenbuch eingetragen, bekannt gemacht oder dem Dritten mitgeteilt wurde.
Schulden, die Sie kannten oder kennen mussten (§ 1409 ABGB). Der Übernehmer eines Vermögens oder Unternehmens haftet den Gläubigern unmittelbar für Schulden, die er bei der Übergabe kannte oder kennen musste — begrenzt auf den Wert des übernommenen Vermögens. Bei nahen Angehörigen des Veräußerers kehrt sich die Beweislast um. Vereinbarungen zwischen Verkäufer und Käufer zulasten der Gläubiger sind wirkungslos.
Abgaben (§ 14 BAO). Der Erwerber haftet für betriebsbezogene Abgaben und für abzuführende Steuerabzugsbeträge ab Beginn des letzten vor der Übereignung liegenden Kalenderjahres — aber nur, soweit er von diesen Schulden wusste oder wissen musste, und begrenzt auf den Wert der übertragenen Gegenstände und Rechte. Beim Erwerb im Exekutions- oder Insolvenzverfahren gilt diese Haftung nicht.
Arbeitsverhältnisse. Beim Betriebsübergang treten die Erwerber als Arbeitgeber in die bestehenden Arbeitsverhältnisse ein. Vordienstzeiten und Entgelte bleiben, eine Kündigung wegen des Übergangs ist unzulässig, und beide Seiten haben Informationspflichten gegenüber den Betroffenen. Was daraus konkret folgt, steht in Betriebsübergang und Mitarbeiter.
Die Kehrseite für den Verkäufer: Seine Haftung für die übernommenen unternehmensbezogenen Verbindlichkeiten beschränkt sich auf jene, die vor Ablauf von fünf Jahren nach dem Übergang fällig werden (§ 39 UGB). Wer als Käufer nach diesem Zeitraum ein Altproblem entdeckt, steht allein da — weshalb Garantien, Freistellungen und deren Verjährungsfristen im Kaufvertrag der eigentliche Verhandlungsgegenstand sind. Was in den Unternehmenskaufvertrag gehört, ist dort im Detail beschrieben.
Grunderwerbsteuer beim Anteilskauf: neue Schwelle seit 1. Juli 2025
Wenn zur Zielgesellschaft eine Liegenschaft gehört, kann schon der Anteilskauf Grunderwerbsteuer auslösen. Mit dem Budgetbegleitgesetz 2025 wurde die maßgebliche Beteiligungsschwelle mit Wirkung ab 1. Juli 2025 von 95 auf 75 Prozent gesenkt, der Beobachtungszeitraum für zusammenzurechnende Übertragungen von fünf auf sieben Jahre verlängert. Erfasst sind nun auch Kapitalgesellschaften und mittelbare Anteilsverschiebungen; wirtschaftlich verbundene Erwerber werden als Gruppe zusammengerechnet, womit das Aufsplitten von Anteilen als Gestaltung entfällt.
Der Steuersatz hängt davon ab, ob die Gesellschaft als Immobiliengesellschaft gilt — also ihr Schwerpunkt in Veräußerung, Vermietung oder Verwaltung von Grundstücken liegt: dann 3,5 Prozent vom gemeinen Wert, sonst 0,5 Prozent vom Grundstückswert. Für Käufer von Produktions- oder Dienstleistungsunternehmen mit eigener Betriebsimmobilie heißt das: Die Struktur muss vor dem LOI steuerlich gerechnet werden, nicht danach.
Vom Kaufpreis zum überwiesenen Betrag
Der verhandelte Unternehmenswert ist nicht der Betrag, der fließt. Abgezogen wird die Nettoverschuldung, angepasst wird um Working Capital, und ein Teil des Preises bleibt oft als Einbehalt oder Earn-out offen. Wie diese Mechanik funktioniert, steht in Net Debt und Kaufpreismechanik.
Für Käufer ist die Kaufpreismechanik zugleich das wichtigste Finanzierungsthema: Was am Closing-Tag zu zahlen ist, entscheidet über die Bankstruktur. Welche Bausteine dafür in Frage kommen — Eigenmittel, Bankkredit, aws-Garantie, Verkäuferdarlehen —, steht in Unternehmenskauf finanzieren.
Zeitplan: womit Käufer realistisch rechnen
Vom ersten qualifizierten Kontakt bis zum Closing vergehen im Markt üblicherweise sechs bis zwölf Monate; in strukturierten Prozessen mit vorbereitetem Verkäufer sind drei bis sechs Monate erreichbar. Die Zeit geht selten in der Verhandlung verloren, sondern im Warten auf Unterlagen, in der Finanzierungszusage und in Zustimmungserfordernissen Dritter — Mitgesellschafter, Vermieter, Banken. Wer diese drei Punkte früh adressiert, verkürzt den Prozess mehr als jede Verhandlungstaktik. Mehr dazu in Dauer eines Unternehmensverkaufs.
Häufige Fragen
Wie läuft ein Unternehmenskauf ab?
In fünf Phasen: Suchprofil und Ansprache, Vertraulichkeitsvereinbarung mit ersten Unterlagen, Letter of Intent mit Preisrahmen und Exklusivität, Due Diligence, schließlich Kaufvertrag und Closing. Bei einer österreichischen GmbH gehört zum Closing der Notariatsakt über die Anteilsabtretung und die Anmeldung zum Firmenbuch.
Was ist für den Käufer besser, Asset Deal oder Share Deal?
Aus reiner Risikosicht der Asset Deal, weil Verbindlichkeiten grundsätzlich zurückbleiben und Sie definieren, was übergeht. Praktisch ist er aufwendiger, weil Verträge und Genehmigungen neu geordnet werden müssen, und für den Verkäufer steuerlich oft unattraktiver — was sich im Preis niederschlägt. Die Struktur ist Teil der Preisverhandlung, nicht davon getrennt.
Hafte ich als Käufer für Altschulden des Unternehmens?
Teilweise ja, und zwar unabhängig vom Kaufvertrag: § 38 UGB überträgt unternehmensbezogene Rechtsverhältnisse samt Verbindlichkeiten, § 1409 ABGB begründet eine Haftung für Schulden, die Sie kannten oder kennen mussten, begrenzt auf den Wert des übernommenen Vermögens, und § 14 BAO erfasst betriebsbezogene Abgaben ab dem letzten vor der Übereignung liegenden Kalenderjahr. Deshalb ist die Due Diligence keine Formalität.
Braucht der Kauf von GmbH-Anteilen in Österreich einen Notar?
Ja. Die Abtretung von Geschäftsanteilen unter Lebenden bedarf eines Notariatsakts (§ 76 Abs. 2 GmbHG), ebenso die Verpflichtung zu einer künftigen Abtretung. Der Gesellschaftsvertrag kann zusätzlich die Zustimmung der Gesellschaft verlangen.
Löst der Kauf von Anteilen Grunderwerbsteuer aus?
Er kann es, wenn zur Gesellschaft eine Liegenschaft gehört. Seit 1. Juli 2025 liegt die Schwelle bei 75 Prozent der Anteile, der Beobachtungszeitraum bei sieben Jahren, und auch mittelbare Erwerbe sowie verbundene Erwerbergruppen werden erfasst. Der Satz beträgt bei Immobiliengesellschaften 3,5 Prozent vom gemeinen Wert, sonst 0,5 Prozent vom Grundstückswert.
Wie lange dauert ein Unternehmenskauf?
Im Markt sechs bis zwölf Monate vom qualifizierten Erstkontakt bis zum Closing. Bei gut vorbereiteten Verkäufern und klarer Finanzierung sind drei bis sechs Monate realistisch. Verzögerungen entstehen meist durch fehlende Unterlagen, die Finanzierungszusage und Zustimmungen Dritter.
Übernehme ich die Mitarbeiter automatisch?
Beim Betriebsübergang treten Sie als Arbeitgeber in die bestehenden Arbeitsverhältnisse ein — mit Vordienstzeiten, Entgelten und kollektivvertraglichen Einstufungen. Eine Kündigung wegen des Übergangs ist unzulässig, und Veräußerer wie Erwerber müssen die Betroffenen informieren.
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