Zuletzt aktualisiert:
Ein Carve-out ist kein kleiner Unternehmensverkauf. Der schwierige Teil ist nicht der Käufer, sondern die Frage, was genau verkauft wird: welche Verträge, welche Mitarbeiter, welche Maschinen, welche Software — und welche Leistungen der Bereich bisher von der Zentrale bezogen hat, ohne dass sie je einzeln bepreist wurden.
Wer diese Abgrenzung erst in der Verhandlung vornimmt, verhandelt über einen Gegenstand, den beide Seiten unterschiedlich verstehen. Deshalb beginnt ein Carve-out mit der Rekonstruktion: Wie sähe dieser Bereich aus, wenn er ein eigenes Unternehmen wäre?
Bereiche, die Führungsaufmerksamkeit binden, ohne strategisch zu tragen.
Im Gesamtunternehmen ist die Nachfolge geregelt, in einem Bereich nicht.
Für einen Wettbewerber oder einen spezialisierten Käufer kann derselbe Bereich deutlich mehr wert sein, weil er dort Synergien hebt.
Der Erlös finanziert das Kerngeschäft — siehe Unternehmensfinanzierung.
Im Detail zuzuordnen sind: Kunden- und Lieferantenverträge, Mitarbeiter und deren Verträge, Maschinen und Betriebsausstattung, Vorräte, Miet- und Leasingverträge, Marken, Lizenzen, Software und Daten sowie Genehmigungen.
Der eigentliche Knackpunkt sind gemeinsam genutzte Ressourcen — Geschäftsführung, Buchhaltung, IT, Lager, Einkauf. Sie lassen sich nicht teilen, sondern nur ersetzen oder übergangsweise weiterliefern.
Für den Bereich wird eine eigenständige Ergebnisrechnung aufgebaut — mit realistischen Kosten für Leistungen, die bisher die Zentrale erbracht hat, und marktüblichen Verrechnungspreisen für interne Lieferbeziehungen.
Ein Bereich, dessen Ergebnis nur durch günstige Konzernumlagen entsteht, verliert diesen Vorteil mit dem Verkauf — das wird in der Prüfung gefunden. Mehr unter Unternehmensbewertung.
Entweder werden die Vermögensgegenstände und Verträge direkt übertragen, oder der Bereich wird zuerst in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert und diese dann verkauft. Die zweite Variante braucht Vorlauf, macht die Transaktion aber einfacher.
Viele Kunden-, Miet- und Lizenzverträge lassen sich nicht ohne Zustimmung übertragen — diese Liste bestimmt den Zeitplan.
Beim Betriebsübergang gehen die Arbeitsverhältnisse kraft Gesetzes über — in Deutschland nach § 613a BGB, in Österreich nach dem AVRAG. Die Zuordnung der betroffenen Personen gehört vorher geklärt.
Befristete Weiterlieferung von IT, Buchhaltung, Einkauf oder Logistik gegen Entgelt, mit Laufzeit und Ausstiegsplan.
Zur Rollenklärung: Gesellschafts-, arbeits- und steuerrechtliche Gestaltung gehört zu Anwalt und Steuerberater; wir strukturieren die Transaktion und führen den Prozess. Keine Rechtsberatung.
Der Käuferkreis umfasst Wettbewerber, spezialisierte Strategen, Beteiligungsgesellschaften mit Plattformstrategie — und das Management des Bereichs selbst (siehe Management-Buy-out).
Diskretion ist beim Carve-out besonders heikel, weil Mitarbeiter und Kunden des Bereichs weiterarbeiten sollen, während verhandelt wird. Der reguläre Prozess ist unter Unternehmen verkaufen beschrieben.
Wenn Sie einen Bereich abgeben wollen, klären wir im Erstgespräch kostenfrei, wie er abzugrenzen ist und welcher Käuferkreis dafür in Frage kommt.