Asset Deal in Österreich: Steuern, Gebühren und Abwicklung
IGCP Capital Partners · Veröffentlicht am
Was ein Asset Deal in Österreich steuerlich auslöst: Grunderwerbsteuer, Umsatzsteuer, Firmenwert-Abschreibung über 15 Jahre — und was Verkäufer und Käufer unterschiedlich trifft.
Ein Asset Deal löst in Österreich drei steuerliche Ebenen aus: Grunderwerbsteuer bei Liegenschaften, Umsatzsteuer auf die übertragenen Wirtschaftsgüter und beim Verkäufer die Besteuerung des Veräußerungsgewinns. Der Käufer erhält im Gegenzug neue Abschreibungsbasis — inklusive Firmenwert, der über 15 Jahre abgesetzt wird.
Was ein Asset Deal grundsätzlich ist und wie er sich beim Thema Haftung verhält (§ 38 UGB, § 1409 ABGB), steht im Beitrag Asset Deal. Hier geht es um die österreichische Steuer- und Abwicklungsseite — die Ebene, auf der Asset Deal und Share Deal wirtschaftlich am weitesten auseinanderliegen.
Welche Steuern fallen beim Asset Deal in Österreich an?
| Steuer | Wen sie trifft | Kern |
|---|---|---|
| Einkommen-/Körperschaftsteuer | Verkäufer | Veräußerungsgewinn ist voll steuerpflichtig |
| Umsatzsteuer | Abwicklung | Übertragung ist steuerbar, je Wirtschaftsgut zu beurteilen |
| Grunderwerbsteuer | Käufer (i. d. R.) | 3,5 % bei mitverkauften Liegenschaften |
| AfA / Firmenwert | Käufer (Vorteil) | Step-up, Firmenwert über 15 Jahre abschreibbar |
Warum ist die Umsatzsteuer anders als in Deutschland?
Weil Österreich keine Regelung kennt, die die Geschäftsveräußerung im Ganzen von der Umsatzsteuer ausnimmt. In Deutschland ist sie nach § 1 Abs. 1a dUStG nicht steuerbar. In Österreich bleibt die Übertragung steuerbar; § 4 Abs. 7 UStG regelt lediglich die Bemessungsgrundlage: Das Entgelt ist auf die einzelnen Besitzposten aufzuteilen, Steuerbefreiungen und Steuersätze sind je Wirtschaftsgut gesondert zu prüfen.
Praktisch ist das oft ein Durchlaufposten: Ist der Käufer vorsteuerabzugsberechtigt, holt er die Umsatzsteuer zurück. Liquiditätsplanung und Rechnungslegung müssen den Schritt trotzdem sauber abbilden — Fehler bei der Aufteilung des Entgelts gehören laut WKO zu den typischen Streitpunkten bei Betriebsprüfungen.
Wann fällt Grunderwerbsteuer an?
Immer, wenn Liegenschaften mit übergehen: 3,5 Prozent, grundsätzlich vom Wert der Gegenleistung, die auf das Grundstück entfällt. Dazu kommt die Eintragungsgebühr ins Grundbuch.
Seit dem Budgetbegleitgesetz 2025 (in Kraft seit 1. Juli 2025) ist auch die Ausweichroute über den Share Deal enger: Bei liegenschaftshaltenden Gesellschaften löst bereits die Vereinigung von 75 Prozent der Anteile Grunderwerbsteuer aus — zuvor lag die Schwelle bei 95 Prozent. Wer die Struktur der Transaktion allein nach der Grunderwerbsteuer wählt, rechnet also mit veralteten Regeln.
Was hat der Käufer vom Asset Deal?
Abschreibungsvolumen. Der Kaufpreis wird auf die erworbenen Wirtschaftsgüter verteilt; was über deren Buchwerte hinausgeht, bildet neue AfA-Basis (Step-up). Der verbleibende Firmenwert ist bei Gewerbebetrieben zwingend über 15 Jahre verteilt abzuschreiben (§ 8 Abs. 3 EStG).
Beim Share Deal gibt es diesen Effekt nicht — die Anschaffungskosten der Anteile sind nicht abschreibbar. Deshalb zahlen Käufer für denselben Betrieb im Asset Deal oft mehr als im Share Deal. Der vollständige Strukturvergleich steht im Beitrag Asset Deal oder Share Deal.
Was bedeutet der Asset Deal für den Verkäufer?
Der Veräußerungsgewinn — Kaufpreis minus Buchwerte — ist voll steuerpflichtig. Bei einer verkaufenden GmbH fällt Körperschaftsteuer an; sollen die Mittel danach an die Gesellschafter, folgt die zweite Ebene über die Ausschüttung. Details dazu im Beitrag GmbH verkaufen: Steuern.
Verkauft eine natürliche Person ihren Betrieb, kennt das österreichische Recht Begünstigungen: einen Freibetrag von 7.300 Euro, die Verteilung des Gewinns auf drei Jahre oder — unter Voraussetzungen wie Vollendung des 60. Lebensjahres und Einstellung der Erwerbstätigkeit — den Hälftesteuersatz. Welche Variante greift, hängt vom Einzelfall ab.
Dieser Beitrag ordnet ein und ersetzt keine Steuerberatung. Die Strukturentscheidung Asset Deal oder Share Deal gehört zu den ersten Weichenstellungen im Verkaufsprozess — und an den Tisch von Steuerberater und Anwalt, bevor der Kaufvertrag entworfen wird.
Ist ein Asset Deal in Österreich umsatzsteuerfrei?
Nein. Anders als in Deutschland ist die Geschäftsveräußerung im Ganzen in Österreich steuerbar. Das Entgelt wird auf die einzelnen Wirtschaftsgüter aufgeteilt und je Position umsatzsteuerlich beurteilt. Für vorsteuerabzugsberechtigte Käufer ist das meist neutral, aber kein Grund zur Nachlässigkeit bei der Vertragsgestaltung.
Wie lange wird der Firmenwert abgeschrieben?
Bei Gewerbebetrieben zwingend über 15 Jahre, gleichmäßig verteilt (§ 8 Abs. 3 EStG). Für andere erworbene Wirtschaftsgüter gelten deren jeweilige Nutzungsdauern — der Kaufpreis wird dafür im Vertrag sinnvollerweise bereits aufgeteilt.
Wann ist der Asset Deal in Österreich die bessere Wahl?
Typisch: wenn der Käufer nur Teile des Betriebs will, wenn er Abschreibungspotenzial sucht oder wenn Risiken in der Gesellschaft bleiben sollen. Der Share Deal punktet mit einfacherer Übertragung laufender Verträge. Die Antwort ist eine Rechnung, keine Glaubensfrage — beide Seiten rechnen sie mit unterschiedlichem Ergebnis.
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Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag wurde von IGCP Capital Partners auf Basis eigener Transaktionserfahrung erstellt. Bei Recherche und Ausarbeitung kommen auch KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz; alle Inhalte werden vor Veröffentlichung fachlich geprüft.