Was kostet eine Unternehmensbewertung?
IGCP Capital Partners · Veröffentlicht am · Aktualisiert am

Die Kosten einer Unternehmensbewertung reichen von null bis zu fünfstelligen Beträgen. Entscheidend ist nicht der Preis, sondern ob das Format zum Anlass passt.
Eine Unternehmensbewertung kostet zwischen null Euro (Online-Rechner, indikative Ersteinschätzung) und fünfstelligen Beträgen für ein Vollgutachten nach IDW S1. Entscheidend ist der Anlass: Für einen Verkauf braucht es eine transaktionsnahe Einordnung, für Steuer- oder Gerichtsverfahren ein formales Gutachten. Wer das falsche Format wählt, zahlt entweder zu viel — oder bekommt eine Zahl, die im entscheidenden Moment nichts wert ist.
Wie eine belastbare Unternehmensbewertung im Verkaufsfall entsteht, lesen Sie auf unserer Leistungsseite.
Wovon hängen die Kosten einer Unternehmensbewertung ab?
Vier Faktoren bestimmen den Preis: der Zweck der Bewertung (Orientierung, Transaktion, Steuer, Gericht), die Größe und Komplexität des Unternehmens, die Qualität der vorliegenden Zahlen und die Frage, ob das Ergebnis formalen Anforderungen genügen muss. Ein Gutachten für ein Abfindungsverfahren kostet ein Vielfaches einer indikativen Werteinschätzung — nicht weil mehr gerechnet wird, sondern weil mehr dokumentiert, geprüft und verantwortet wird.
Üblich ist die Abrechnung nach Zeitaufwand; die Stundensätze richten sich nach Qualifikation des Bewerters und Komplexität des Falls. Zunehmend gibt es auch Festpreise. Als Anhaltspunkt für die zeitbasierte Abrechnung bei Steuerberatern nennt die Bundessteuerberaterkammer für die Zeitgebühr der Steuerberatervergütungsverordnung einen Rahmen von 16,50 bis 41 Euro je angefangene Viertelstunde. Für Gutachten wird der Satz häufig frei vereinbart; verbindlich ist immer das Angebot im Einzelfall.
Den vollständigen Ablauf finden Sie unter Unternehmen verkaufen.
Was kosten die Bewertungsformate?
Die Bandbreite reicht vom kostenlosen Online-Rechner über die indikative Bewertung und das Kurzgutachten bis zum Vollgutachten nach IDW S1. Zwei veröffentlichte Festpreise von Anbietern zeigen die Größenordnung: Das Deutsche Institut für Unternehmensnachfolge e.V. nennt auf difu.org 7.900 Euro Festpreis für eine Bewertung nach IDW S1, und ein CVA-zertifizierter Sachverständiger veröffentlicht auf yannickmaar.de für 2026 eine kompakte Werteinschätzung ab 3.700 Euro und ein IDW-S1-Gutachten ab 9.700 Euro, jeweils zuzüglich Umsatzsteuer. Es handelt sich um Anbieterpreise, nicht um Marktdurchschnitte; je nach Größe und Komplexität wird es deutlich mehr. Kurzgutachten liegen darunter, meist im vierstelligen Bereich.
| Format | Typischer Einsatz | Kostenrahmen |
|---|---|---|
| Online-Rechner | Erste Orientierung | Kostenlos — mit Scheingenauigkeit |
| Indikative Bewertung (M&A-Berater) | Vorbereitung Verkauf/Nachfolge | Oft Teil des Erstgesprächs |
| Kompakte Werteinschätzung (Sachverständiger) | Interne Anlässe, Orientierung | Anbieterbeispiel: ab 3.700 € zzgl. USt |
| Vollgutachten IDW S1 | Steuer, Gericht, Abfindung, Squeeze-out | Anbieterbeispiele: 7.900 € bis ab 9.700 €; nach oben offen |
Die Zahlen sind Marktbeobachtungen aus veröffentlichten Angeboten, keine Preiszusagen — jedes seriöse Angebot hängt am Einzelfall. Was hinter dem Standard steckt, erklärt der Artikel IDW S1; die Methoden dahinter ordnet Was ist mein Unternehmen wert? ein.
Betrifft Sie dieses Thema selbst? IGCP begleitet Inhaber unabhängig — das Erstgespräch ist kostenfrei, unverbindlich und streng vertraulich.
Kostenloses Erstgespräch anfragen →Was hat sich 2026 beim Standard IDW S 1 geändert?
Seit 2026 gibt es eine neue Fassung des Standards: Der Fachausschuss Unternehmensbewertung des IDW hat IDW S 1 i.d.F. 2026 am 11. Februar 2026 verabschiedet. Sie gilt grundsätzlich für Bewertungsstichtage nach der Veröffentlichung; eine Anwendung auf frühere Stichtage ist zulässig, wenn sie im Bewertungsauftrag ausdrücklich vereinbart wird. Zu den Neuerungen zählen nach dem IDW unter anderem geschärfte Definitionen des objektivierten Werts, präzisierte Anforderungen an die Plausibilitätsprüfung der Planung und zusätzliche Hinweise zu persönlichen Ertragsteuern und zur Marktrisikoprämie. Kleeberg verweist zusätzlich darauf, dass nun ausdrücklich auch ein Tax-CAPM zulässig ist, wenn die künftigen Erträge um persönliche Ertragsteuern gekürzt werden.
Für Sie als Auftraggeber heißt das vor allem: Im Angebot sollte stehen, nach welcher Fassung bewertet wird. Der Standard ändert nichts daran, dass ein Gutachten für einen Verkauf nicht zwingend notwendig ist — er betrifft Fälle, in denen die Bewertung formalen Bestand haben muss.
Wann reicht eine indikative Bewertung?
Immer dann, wenn die Zahl eine Entscheidung vorbereiten soll — Verkauf, Nachfolge, Investorensuche. Dafür braucht es keine hundert Seiten Gutachten, sondern eine realistische Spanne aus Ertragskraft und Markt-Multiplikatoren plus eine ehrliche Einordnung, was Käufer aktuell zahlen. Ein EBITDA-Multiple ist dabei ein Reality-Check, kein Preisschild.
Der Grund ist einfach: Beim Verkauf entsteht der echte Wert in der Verhandlung, nicht in der Formel. Den Preis bestimmt am Ende ein Käufer, der zahlen will — kein Gutachten. Wie die Multiplikator-Logik funktioniert, zeigt das Multiplikatorverfahren.
Wann brauchen Sie ein Vollgutachten?
Sobald die Bewertung formalen Bestand haben muss: bei steuerlichen Anlässen wie Schenkung oder Erbschaft, bei gesellschaftsrechtlichen Streitigkeiten, Abfindungen oder gerichtlichen Verfahren. Hier zählt nicht die Marktnähe, sondern die methodische Nachvollziehbarkeit nach anerkanntem Standard — in der Praxis meist IDW S1.
Ob ein solcher Anlass vorliegt, klären Sie mit Steuerberater oder Anwalt; das ist keine Frage, die ein M&A-Berater für Sie entscheidet. Für die Grundlagen der Bewertungslogik: Unternehmensbewertung.
Ein Beispiel: dieselbe Firma, drei Anlässe
Das Beispiel ist konstruiert und vereinfacht, es beschreibt keinen realen Fall. Ein Inhaber eines Dienstleistungsbetriebs mit 2 Millionen Euro Jahresumsatz steht vor drei Fragen, die drei verschiedene Bewertungen verlangen.
- Soll ich in den nächsten Jahren verkaufen? Hier genügt eine indikative Einordnung. Der kostenlose Unternehmenswert-Rechner liefert eine erste Spanne, ein Erstgespräch mit einem M&A-Berater schärft sie. Kosten: null bis gering.
- Ein Gesellschafter scheidet aus und soll abgefunden werden. Die Zahl muss im Streitfall standhalten; hier ist ein Gutachten nach anerkanntem Standard sinnvoll. Kosten: ein Angebot im fünfstelligen Bereich ist realistisch.
- Die Anteile werden an die nächste Generation geschenkt. Ob und welches Gutachten dem Finanzamt gegenüber hilft, klärt der Steuerberater. Kosten: abhängig vom Gutachtenformat.
Dieselbe Firma braucht also nicht eine Bewertung, sondern die richtige je Anlass. Wer für Frage 1 ein Vollgutachten beauftragt, zahlt für Formalität, die er nicht braucht; wer für Frage 2 einen Online-Rechner verwendet, hat im Streit nichts in der Hand.
Was kostet es, den Wert nicht zu kennen?
Mehr als jedes Gutachten. Das KfW Nachfolge-Monitoring 2025 hält fest, dass die Kaufpreisvorstellungen der Inhaber zuletzt deutlich gestiegen sind: Der durchschnittlich angestrebte Kaufpreis liegt bei rund 499.000 Euro, im Mittel das 1,2-Fache des Jahresumsatzes, der Median aber nur beim 0,6-Fachen. Der Median stieg von 175.000 Euro (2019) auf 375.000 Euro (2025), nominal liegen die Preisvorstellungen rund 34 Prozent über 2019, preisbereinigt rund 9,5 Prozent. Dass die Zahlungsbereitschaft der Käufer dem automatisch folgt, lässt sich daraus nicht ableiten.
Zur Einordnung: Läge die Preisvorstellung des Inhabers im Beispiel oben beim 1,2-Fachen des Umsatzes (2,4 Millionen Euro) statt beim Median von 0,6 (1,2 Millionen Euro), wären das 1,2 Millionen Euro Unterschied — gegenüber Anbieterpreisen von unter 10.000 Euro für ein Gutachten. Die Werte sind Mittelwerte über alle Branchen und keine Erwartung für Ihr Unternehmen; sie zeigen nur, wie weit Anker auseinanderliegen können.
Eine überhöhte Forderung verbrennt seriöse Interessenten, eine zu niedrige verschenkt Lebenswerk. Eine realistische Werteinordnung vor dem Prozess ist deshalb kein Kostenpunkt, sondern eine Versicherung gegen den teuersten Fehler im Verkauf: den falschen Anker. Welche Fehler sonst noch Geld kosten, zeigt 5 Fehler beim Unternehmensverkauf.
Häufige Fragen
Was kostet ein IDW-S1-Gutachten konkret?
Je nach Unternehmensgröße, Datenlage und Anbieter: Veröffentlichte Festpreisangebote beginnen bei 7.900 Euro (difu.org) beziehungsweise ab 9.700 Euro zuzüglich Umsatzsteuer (yannickmaar.de), bei komplexen Fällen wird es deutlich mehr. Verbindlich ist nur ein individuelles Angebot — seriöse Bewerter kalkulieren nach Aufwand.
Gibt es den IDW S 1 noch in der Fassung von 2008?
Seit dem 11. Februar 2026 gibt es die Neufassung IDW S 1 i.d.F. 2026. Sie gilt grundsätzlich für Bewertungsstichtage nach ihrer Veröffentlichung, eine Anwendung auf frühere Stichtage ist bei ausdrücklicher Vereinbarung zulässig. Kleeberg weist darauf hin, dass beide Fassungen noch einige Jahre relevant bleiben, weil Bewertungen oft lange nach dem Stichtag geprüft werden.
Ist eine kostenlose Unternehmensbewertung seriös?
Als erste Orientierung ja, als Entscheidungsgrundlage nein. Online-Rechner arbeiten mit pauschalen Multiplikatoren und kennen weder Ihre Ertragsqualität noch Ihre Marktposition. Sie liefern eine Hausnummer — mehr nicht. Für Entscheidungen braucht es eine Einordnung durch jemanden, der aktuelle Transaktionen kennt.
Wie lange dauert eine Unternehmensbewertung?
Eine indikative Bewertung dauert bei guter Datenlage wenige Tage bis zwei Wochen. Ein Vollgutachten nach IDW S1 braucht mehrere Wochen, weil Planungsrechnung, Marktanalyse und Dokumentation formalen Anforderungen genügen müssen. Ein Anbieter nennt für das IDW-S1-Gutachten zwei bis vier Wochen nach vollständigen Unterlagen.
Der echte Wert entsteht in der Verhandlung, nicht in der Formel. Für eine realistische, unabhängige Einordnung: IGCP Capital Partners. → igcp.at
Bevor Sie Geld für ein Gutachten ausgeben, lohnt die kostenlose Vorstufe: Unternehmenswert kostenlos berechnen und erst danach entscheiden, welches Format Sie wirklich brauchen.
Stand der Zahlen und Quellen: 30. September 2026.
Passende Leistungen
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