
Seit mehr als 25 Jahren entwickelt und vertreibt die Berliner net-haus GmbH Software für Computer-Aided Facility Management (CAFM) und Gebäudemanagement. Das Unternehmen wurde im Jahr 2000 von Stefan und Dr. Andreas Wenzel gegründet; Stefan Wenzel war seit der Eintragung der GmbH ins Handelsregister ihr Geschäftsführer. Kernprodukt ist der „hausmanager“, eine Software für Hausmeister und Gebäudemanager: Objekte, technische Anlagen, Aufträge und Störmeldungen werden zentral erfasst und mobil bearbeitet. Mehr als 600 Kundinnen und Kunden arbeiten damit. Nach einem Vierteljahrhundert am Markt ging es für die Gesellschafter um die Nachfolge. Gesucht war eine Lösung, die das gewachsene Produkt, das Team und die langjährigen Kundenbeziehungen gemeinsam in neue Hände gibt – und die den Kunden eine Perspektive für die technische Weiterentwicklung eröffnet.
Als exklusiver Berater der net-haus GmbH begleitete IGCP die Gesellschafter durch den gesamten Verkaufsprozess: Vorbereitung, internationale Investorensuche, Verhandlungsführung, Signing und Closing. Am Profil des späteren Käufers lässt sich ablesen, worauf es bei einem solchen Softwarehaus ankommt. Ein Anbieter, der in den deutschen Markt erst eintritt, braucht genau das, was net-haus mitbrachte: eine installierte Kundenbasis, ein eingespieltes Team vor Ort und Kenntnis der hiesigen Anforderungen. Umgekehrt bietet ein solcher Käufer eine eigene, laufend weiterentwickelte Plattform, auf die sich der Bestand über die Zeit überführen lässt.
Die net-haus GmbH ging im Rahmen eines 100 %-Share-Deals an SINGU. Das 2009 gegründete PropTech-Unternehmen aus Krakau betreibt eine cloudbasierte CAFM-/CMMS-Plattform, die nach eigenen Angaben über 500 Kunden in 35 Ländern bei der Bewirtschaftung von mehr als 200 Mio. m² Gewerbefläche nutzen. Für SINGU war es die erste Transaktion in Deutschland, wenige Wochen nach dem offiziellen Markteintritt und kurz nach dem Zusammenschluss mit dem britischen Anbieter Micad. Die Geschäftsführung übernahm Peter Vollmer, zugleich Managing Director DACH bei SINGU. Das Berliner Büro blieb erhalten und ist heute deutscher Hauptsitz der Gruppe. Die Gesellschaft tritt inzwischen als SINGU Germany GmbH auf; Support und Ansprechpartner für den hausmanager sind geblieben.
Für ein etabliertes Softwareprodukt mit Schwerpunkt im Heimatmarkt muss der passende Käufer nicht aus demselben Land kommen. SINGU begründete die Übernahme öffentlich damit, dass net-haus „eine treue Kundenbasis, ein erfahrenes Team und tiefes lokales Know-how“ mitbringe – für einen Anbieter im Markteintritt ersetzt das Jahre des eigenen Aufbaus. Eigentümer vergleichbarer Softwarehäuser sollten deshalb früh prüfen, welche ausländischen Anbieter ihren Markt gerade erschließen wollen; deren Interesse kann anders gelagert sein als das eines inländischen Wettbewerbers. Der Fall zeigt außerdem, wie sehr die Kundenseite zur Transaktion gehört: Weitergeführter Support und bekannte Ansprechpartner standen im Mittelpunkt der Kommunikation nach dem Verkauf.