Steuern beim Firmenverkauf: Was übrig bleibt (Österreich)
IGCP Capital Partners · Veröffentlicht am · Aktualisiert am

Wie viel Steuer beim Firmenverkauf anfällt, bestimmt die Rechtsform: 27,5 % beim GmbH-Anteil, Tarif mit Freibetrag und Hälftesteuersatz beim Einzelbetrieb.
Wie hoch die Steuer beim Firmenverkauf ausfällt, entscheidet in Österreich vor allem die Rechtsform: Beim Verkauf eines GmbH-Anteils gelten pauschale 27,5 Prozent auf den Gewinn, beim Verkauf eines Einzelunternehmens oder Personengesellschaftsanteils der progressive Einkommensteuertarif — gemildert durch Freibetrag, Hälftesteuersatz oder Dreijahresverteilung. Rechtsstand der zitierten Normen: 06.10.2026.
Wie Sie vor der Steuerfrage überhaupt zum Wert kommen, rechnet der Beitrag Unternehmenswert berechnen in Österreich Schritt für Schritt durch.
Wie sich der Anteilsverkauf im Einzelnen gestaltet, beschreibt GmbH verkaufen.
Den Ablauf beim Anteilsverkauf einer GmbH und unsere Begleitung dabei beschreibt GmbH verkaufen.
Die Frage „Was bleibt nach Steuern?“ entscheidet oft mehr über die Attraktivität eines Verkaufs als der Kaufpreis selbst. Und die Antwort beginnt nicht beim Finanzamt, sondern bei der Rechtsform und der Struktur des Deals. Dieser Beitrag ordnet die Fälle für Österreich; die Feinrechnung gehört in jedem Fall zum Steuerberater.
Der eine Faktor, der alles bestimmt: die Struktur
Vor der Höhe steht die Frage nach dem Wie. Zwei Weichen prägen die Steuerlast.
Erstens die Rechtsform: Ein Anteil an einer Kapitalgesellschaft (GmbH) wird anders besteuert als der Betrieb eines Einzelunternehmers oder ein Anteil an einer Personengesellschaft (OG, KG).
Zweitens die Deal-Struktur: Verkaufen Sie Anteile (Share Deal) oder einzelne Wirtschaftsgüter des Betriebs (Asset Deal)? Der Unterschied ist im Beitrag Asset Deal oder Share Deal beschrieben — steuerlich trennt er zwei Welten.
| Rechtsform / Struktur | Besteuerung des Gewinns | Grundlage |
|---|---|---|
| GmbH-Anteil im Privatvermögen (Share Deal) | 27,5 % besonderer Steuersatz | § 27a EStG |
| GmbH-Anteil über eine Holding | 23 % Körperschaftsteuer, Schachtel ggf. befreit | § 22 KStG |
| Einzelunternehmen / Personengesellschaft | Einkommensteuertarif, begünstigt | § 24, § 37 EStG |
| Asset Deal auf Ebene der GmbH | 23 % KÖSt, danach 27,5 % bei Ausschüttung | § 22 KStG, § 27a EStG |
Grundlage jeder belastbaren Entscheidung ist eine Unternehmensbewertung.
GmbH verkaufen: 27,5 Prozent auf den Gewinn
Verkauft eine natürliche Person ihre GmbH-Anteile, unterliegt der Veräußerungsgewinn — Verkaufserlös minus Anschaffungskosten — dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent (§ 27a Abs 1 EStG; WKO, Abruf 06.10.2026). Rund drei Viertel des Gewinns bleiben. Ein konkretes Rechenbeispiel steht in GmbH-Verkauf: Steuer-Rechenbeispiel, die Systematik in GmbH verkaufen: Steuern.
Drei Punkte, die in der Praxis oft übersehen werden:
Anschaffungsnebenkosten zählen bei Anteilen im Privatvermögen nicht zu den Anschaffungskosten (§ 27a Abs 4 Z 2 EStG). Wer Notar- oder Beratungskosten beim Erwerb getragen hat, kann sie daher nicht gewinnmindernd ansetzen.
GmbH-Anteile lassen sich nicht in einem Wertpapierdepot halten. Die Kapitalertragsteuer wird deshalb nicht automatisch abgezogen — der Veräußerungsgewinn ist in der Steuererklärung anzugeben (WKO, Abruf 06.10.2026).
Für Anteile von mindestens einem Prozent, die vor dem 1. Jänner 2011 erworben wurden, gilt nach Angabe der WKO ein Altbestand mit eigenen Regeln. Ob das auf Ihre Anteile zutrifft, klären Sie vor dem Signing mit dem Steuerberater.
Statt der 27,5 Prozent lässt sich auf Antrag die Regelbesteuerung zum Tarif wählen (§ 27a Abs 5 EStG). Die Option gilt für sämtliche Einkünfte, die dem besonderen Steuersatz unterliegen, und lohnt nur, wenn der persönliche Durchschnittssteuersatz darunter liegt — beim Millionenverkauf praktisch nie.
Liegt der Anteil in einer Holding-GmbH, greift auf Verkaufsebene die Körperschaftsteuer von 23 Prozent (§ 22 KStG, seit 2024: „für die Kalenderjahre ab 2024 23 %“). Steuerfrei bleibt nur der Sonderfall der internationalen Schachtelbeteiligung an einer ausländischen Tochter.
Betrifft Sie dieses Thema selbst? IGCP begleitet Inhaber unabhängig — das Erstgespräch ist kostenfrei, unverbindlich und streng vertraulich.
Kostenloses Erstgespräch anfragen →Einzelunternehmen und Personengesellschaft: Tarif, aber begünstigt
Beim Verkauf eines Einzelunternehmens oder eines Anteils an einer OG oder KG ist der Veräußerungsgewinn Teil des steuerpflichtigen Einkommens und unterliegt grundsätzlich dem progressiven Tarif. Der Spitzensatz von 55 Prozent gilt für den Teil des Einkommens über einer Million Euro in den Kalenderjahren 2016 bis 2029 (§ 33 Abs 1 EStG). Damit endet die Geschichte aber nicht — das Gesetz kennt drei Begünstigungen, die alternativ wählbar sind (WKO, Stand der Seite 01.02.2026).
Freibetrag (§ 24 Abs 4 EStG): 7.300 Euro des Gewinns bleiben bei der Veräußerung des ganzen Betriebes steuerfrei. Relevant vor allem bei kleinen Veräußerungsgewinnen — die WKO hält ihn nur für zweckmäßig, wenn der Gewinn den Freibetrag nicht wesentlich übersteigt.
Hälftesteuersatz (§ 37 Abs 1 und 5 EStG): Der Gewinn wird nur mit der Hälfte des auf das gesamte Einkommen entfallenden Durchschnittssteuersatzes belastet — auf Antrag. Voraussetzung: Seit Betriebseröffnung oder dem letzten entgeltlichen Erwerb sind sieben Jahre vergangen, und der Verkauf erfolgt, weil der Inhaber gestorben oder erwerbsunfähig ist oder das 60. Lebensjahr vollendet hat und seine Erwerbstätigkeit einstellt. Die Einstellung muss echt sein: Als Erwerbstätigkeit gilt jede aktive Betätigung im Erwerbsleben. Unschädlich ist nach dem Gesetz nur ein Gesamtumsatz bis 22.000 Euro bei Einkünften bis 730 Euro im Kalenderjahr; passive Einkünfte wie Pension oder Vermietung stehen der Begünstigung nicht entgegen (TPA, Beitrag vom 24.06.2019).
Dreijahresverteilung (§ 37 Abs 2 Z 1 EStG): Der Gewinn wird auf Antrag gleichmäßig auf drei Jahre verteilt und so die Progression geglättet. Voraussetzung sind ebenfalls sieben Jahre — Freibetrag und Hälftesteuersatz stehen daneben nicht zur Verfügung.
Die Besonderheiten für Einzelunternehmer stehen in Einzelunternehmen verkaufen.
Asset Deal: warum die GmbH doppelt zahlt
Verkauft nicht der Gesellschafter seine Anteile, sondern die GmbH ihre Wirtschaftsgüter, entsteht der Gewinn auf Gesellschaftsebene und unterliegt der Körperschaftsteuer von 23 Prozent. Soll das Geld anschließend zum Gesellschafter, kommt bei der Ausschüttung die Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent hinzu. In Summe eine spürbar höhere Last als beim Share Deal — der Grund, warum Verkäufer den Share Deal bevorzugen und Käufer den Asset Deal. Die Details für Österreich stehen in Asset Deal Österreich.
Nebenkosten, die den Nettoerlös mindern
Nicht jede Belastung ist Steuer auf den Gewinn, aber jede schmälert, was übrig bleibt. Beim Share Deal fällt keine Grunderwerbsteuer an; enthält ein Asset Deal Immobilien, dagegen schon. Berater- und Gutachterkosten mindern beim besonderen Steuersatz den Nettoerlös, nicht die Steuer — sie sind dort nicht abzugsfähig (§ 20 Abs 2 Z 2 EStG). Solche Posten gehören in die Netto-Kalkulation, bevor Sie einen Kaufpreis als „genug“ bewerten.
Und in Deutschland?
Für deutsche Verkäufer gilt eine andere Systematik. Die Grundfrage bleibt dieselbe wie in Österreich — Rechtsform und Struktur zuerst —, die Zahlen unterscheiden sich (Rechtsstand der Normen: 06.10.2026, gesetze-im-internet.de).
Anteile an Kapitalgesellschaften im Privatvermögen: Bei einer Beteiligung von mindestens einem Prozent innerhalb der letzten fünf Jahre zählt der Gewinn nach § 17 EStG zu den gewerblichen Einkünften und wird im Teileinkünfteverfahren erfasst — 40 Prozent bleiben steuerfrei, 60 Prozent unterliegen dem persönlichen Steuersatz (§ 3 Nr. 40 EStG). Dazu kommt ein Freibetrag von 9.060 Euro, der bei größeren Gewinnen vollständig abschmilzt (§ 17 Abs. 3 EStG). Bei einer Beteiligung unter einem Prozent bleibt es bei der Abgeltungsteuer von 25 Prozent (§ 32d EStG) zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.
Anteile in einer Kapitalgesellschaft: Hält eine Kapitalgesellschaft die Anteile, bleibt der Veräußerungsgewinn bis auf 5 Prozent steuerfrei, die als nicht abziehbare Betriebsausgaben gelten (§ 8b Abs. 2 und 3 KStG).
Betriebsveräußerung eines Einzelunternehmens oder Personengesellschaftsanteils: Wer das 55. Lebensjahr vollendet hat oder im sozialversicherungsrechtlichen Sinne dauernd berufsunfähig ist, erhält auf Antrag einen Freibetrag von 45.000 Euro, der sich um den Betrag mindert, um den der Gewinn 136.000 Euro übersteigt (§ 16 Abs. 4 EStG). Den Freibetrag gibt es nur einmal. Für Gewinne bis 5 Millionen Euro kann auf Antrag ein ermäßigter Satz von 56 Prozent des durchschnittlichen Steuersatzes gelten, mindestens 14 Prozent — ebenfalls ab dem 55. Lebensjahr oder bei dauernder Berufsunfähigkeit und nur einmal im Leben (§ 34 Abs. 3 EStG). Sonst bleibt die Fünftelregelung (§ 34 Abs. 1 EStG). Wer grenzüberschreitend verkauft, klärt die Ansässigkeit früh.
Zwei Änderungen ab 2027 betreffen Verkäufer in Österreich direkt: die Ausschüttungsfiktion beim Gesellschafter-Verrechnungskonto und die höhere Immobilienertragsteuer auf Altvermögen. Beide fasst der Überblick Steueränderungen 2027 beim Unternehmensverkauf zusammen.
Wird mit dem Unternehmen auch eine Betriebsliegenschaft verkauft, gelten für sie eigene Sätze; die Änderung ab 2027 erklärt der Beitrag ImmoESt bei Betriebsliegenschaften.
Häufige Fragen
Wie viel Steuer zahle ich beim Verkauf meiner GmbH?
Als natürliche Person 27,5 Prozent auf den Veräußerungsgewinn, also Erlös minus Anschaffungskosten (§ 27a EStG). Auf Antrag ist die Regelbesteuerung zum Tarif möglich, die aber nur bei niedrigem Einkommen günstiger ist.
Was ist der Hälftesteuersatz beim Firmenverkauf?
Eine Begünstigung nach § 37 EStG: Der Veräußerungsgewinn wird auf Antrag nur mit dem halben Durchschnittssteuersatz besteuert. Voraussetzung sind sieben Jahre Betriebsdauer und ein Verkauf wegen Tod, Erwerbsunfähigkeit oder ab dem vollendeten 60. Lebensjahr bei Einstellung der Erwerbstätigkeit.
Warum ist der Asset Deal für Verkäufer steuerlich ungünstig?
Weil der Gewinn erst mit 23 Prozent Körperschaftsteuer und bei Ausschüttung nochmals mit 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer belastet wird. Der Share Deal vermeidet diese doppelte Ebene.
Kann ich die Steuer beim Firmenverkauf legal senken?
Ja — über die Wahl der Struktur (Share statt Asset Deal), die Nutzung von Freibetrag, Hälftesteuersatz oder Dreijahresverteilung und den Zeitpunkt. Die Hebel gehören Jahre vor den Verkauf, nicht in die letzte Verhandlungswoche.
Wie wird ein GmbH-Anteil besteuert, wenn er in einer Holding liegt?
Der Gewinn unterliegt auf Ebene der Holding der Körperschaftsteuer von 23 Prozent. Steuerfrei ist nur der Sonderfall der internationalen Schachtelbeteiligung an einer ausländischen Tochter.
Sind Beraterkosten gegen die Steuer abzugsfähig?
Beim besonderen Steuersatz nicht. Berater- und Gutachterkosten mindern den Nettoerlös, aber nicht die Steuer; sie gehören in die Netto-Kalkulation, nicht in die Steuerberechnung.
Muss ich den Verkauf eines GmbH-Anteils in der Steuererklärung angeben?
Ja. Weil GmbH-Anteile nicht im Wertpapierdepot gehalten werden können, wird die Kapitalertragsteuer nicht automatisch abgezogen; der Veräußerungsgewinn ist zu erklären (WKO, Abruf 06.10.2026).
Wie hoch ist die Steuer beim Verkauf eines GmbH-Anteils in Deutschland?
Bei mindestens einem Prozent Beteiligung innerhalb der letzten fünf Jahre gilt das Teileinkünfteverfahren: 60 Prozent des Gewinns unterliegen dem persönlichen Steuersatz (§ 17, § 3 Nr. 40 EStG). Unter einem Prozent gilt die Abgeltungsteuer von 25 Prozent (§ 32d EStG). Hält eine Kapitalgesellschaft die Anteile, bleiben 95 Prozent des Gewinns steuerfrei (§ 8b KStG).
Ein Unternehmensverkauf ist die wichtigste Transaktion eines Unternehmerlebens. Lassen Sie sich unabhängig und diskret begleiten — IGCP Capital Partners. → igcp.at
Für die österreichische Perspektive auf denselben Vorgang: GmbH verkaufen in Österreich. Wie wir Inhaber vom ersten Gespräch bis zur Übergabe begleiten, beschreibt die Leistungsseite Unternehmensnachfolge.
Dieser Beitrag ersetzt keine Steuerberatung. Quellen mit Abrufdatum 06.10.2026: RIS/JUSLINE (EStG, KStG), gesetze-im-internet.de (EStG, KStG), WKO, TPA.
Passende Leistungen
M&A-Beratung nach Standort
Transaktionen brauchen Marktkenntnis vor Ort — Käuferlandschaft und Multiples unterscheiden sich regional deutlich. Unsere Standortseiten:
Weitere Insights
- Unternehmensverkauf
Immobilienertragsteuer ab 2027: Betriebsliegenschaft verkaufen und was sich für Altvermögen ändert
Ab 2027 steigt die ImmoESt auf Altvermögen von effektiv 4,2 auf 6 Prozent. Was das für Verkäufer einer Betriebsliegenschaft in Österreich bedeutet, mit Rechenbeispielen.
- Unternehmensverkauf
Reichensteuer 47 Prozent: Was die Einkommensteuerreform 2027 vom Verkaufserlös übrig lässt
Der Regierungsentwurf führt 47 Prozent ab 280.000 Euro ein. Wen das beim Unternehmensverkauf trifft, was es in Euro kostet und warum eine Holding nicht betroffen ist.
- Unternehmensverkauf
Gesellschafter-Verrechnungskonto ab 2027: Was die Ausschüttungsfiktion für GmbH-Inhaber und den Verkauf bedeutet
Ab dem Wirtschaftsjahr, das 2027 endet, gilt ein Verrechnungskonto über 50.000 Euro in Österreich als Ausschüttung – mit 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer, auch ohne Geldfluss. Regel, Rechenbeispiel, fremdübliches Darlehen und was vor einem GmbH-Verkauf zu klären ist.