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    EBIT oder EBITDA: Welcher Gewinn zählt bei der Bewertung?

    IGCP Capital Partners · Veröffentlicht am

    EBIT oder EBITDA: Welcher Gewinn zählt bei der Bewertung?

    EBIT oder EBITDA — der Unterschied sind die Abschreibungen, und der entscheidet, welches Multiple zu Ihrem Geschäftsmodell passt. Der Vergleich mit Rechenbeispiel.

    EBITDA ist der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen — EBIT zieht die Abschreibungen bereits ab. Für die Unternehmensbewertung heißt das: EBITDA misst die operative Ertragskraft vor Investitionslogik, EBIT berücksichtigt den Werteverzehr von Maschinen und Anlagen. Welche Kennzahl die richtige Basis ist, hängt an der Kapitalintensität Ihres Geschäftsmodells.

    Beide Größen sind Ausgangspunkt des Multiplikatorverfahrens: Kennzahl mal branchenüblicher Faktor ergibt den Unternehmenswert. Wer die falsche Basis wählt oder EBIT- mit EBITDA-Multiples verwechselt, verrechnet sich schnell um Hunderttausende.

    Was ist der Unterschied zwischen EBIT und EBITDA?

    Der Rechenweg macht es sichtbar:

    PositionBeispiel
    Jahresüberschuss400.000 €
    + Steuern130.000 €
    + Zinsergebnis70.000 €
    = EBIT600.000 €
    + Abschreibungen250.000 €
    = EBITDA850.000 €

    Der einzige Unterschied sind die Abschreibungen (und Amortisationen immaterieller Werte). Bei einer Beratungsfirma ohne Maschinenpark liegen EBIT und EBITDA nah beieinander. Bei einem Produktionsbetrieb mit hohem Anlagevermögen klaffen sie weit auseinander — im Beispiel oben um über 40 Prozent.

    Warum ist das EBIT-Multiple höher als das EBITDA-Multiple?

    Reine Mathematik: Dasselbe Unternehmen hat denselben Wert, egal über welche Kennzahl man rechnet. Weil das EBIT kleiner ist als das EBITDA, muss der Faktor darauf größer sein — für dieselbe Branche liegen EBIT-Multiples laut dealorigination oft 20 bis 30 Prozent über den EBITDA-Multiples.

    Genau hier passiert der häufigste Fehler: ein EBIT-Multiple aus einer Tabelle auf das EBITDA anwenden. Das Ergebnis sieht erfreulich aus — und ist schlicht falsch. Prüfen Sie bei jeder Multiple-Tabelle zuerst, auf welche Kennzahl sie sich bezieht. Branchen-Bandbreiten auf EBITDA-Basis finden Sie im Beitrag EBITDA-Multiple nach Branche.

    Wann ist EBITDA die bessere Basis — und wann EBIT?

    Die Faustregel folgt der Kapitalintensität.

    EBITDA passt für kapitalintensive Geschäftsmodelle: Industrie, Produktion, Logistik, Handel mit eigenem Lager. Es macht Unternehmen mit unterschiedlicher Investitionshistorie und Abschreibungspolitik vergleichbar — deshalb ist es im M&A-Markt die verbreitetste Basis.

    EBIT passt, wo Abschreibungen klein sind oder Investitionen laufend verdient werden müssen: Beratung, Software, Agenturen, Dienstleistung. Hier ist das EBIT näher an der nachhaltigen Ertragskraft.

    Die Schwäche des EBITDA verschweigt keine seriöse Bewertung: Es ignoriert, dass Maschinen ersetzt werden müssen. Ein Käufer eines Produktionsbetriebs rechnet deshalb immer auch die Investitionsquote (Capex) nach — ein hohes EBITDA bei chronisch veralteter Anlage ist ein Scheinriese.

    Bereinigt wird vor dem Multiple

    Bewertungsbasis ist nie der Rohwert aus dem Jahresabschluss, sondern das bereinigte EBIT/EBITDA: Einmaleffekte heraus, marktübliches Geschäftsführergehalt statt Unternehmerlohn, private Positionen raus. Jeder bereinigte Euro wirkt mit dem Faktor auf den Wert — bei einem Multiple von 5 macht ein zu niedrig angesetztes Gehalt von 50.000 Euro eine Viertelmillion Unterschied. Wie die Bewertung insgesamt aufgebaut ist, zeigt Was ist mein Unternehmen wert?

    Zur Einordnung der Größenordnungen: Nach der laufenden Markterhebung von exit-coach.de reichte die EBITDA-Multiple-Spannweite im deutschsprachigen KMU-Markt zuletzt von rund 2,4x (kleine Konsumgüterbetriebe) bis über 10x (größere Software-Unternehmen) — Branche und Unternehmensgröße bestimmen das Feld, nicht der Durchschnitt.

    Vom Unternehmenswert zum Auszahlungsbetrag ist es dann noch ein Schritt: Nettofinanzverbindlichkeiten werden abgezogen — wie das funktioniert, erklärt Net Debt.

    Ist EBIT oder EBITDA höher?

    EBITDA ist immer mindestens so hoch wie EBIT, denn es addiert die Abschreibungen zurück. Je kapitalintensiver das Geschäft, desto größer die Lücke — bei Dienstleistern oft nur wenige Prozent, bei Produktionsbetrieben 30 Prozent und mehr.

    Welche Kennzahl verwenden Käufer beim Unternehmenskauf?

    Im M&A-Markt dominiert das bereinigte EBITDA als gemeinsame Sprache, weil es Abschreibungs- und Finanzierungspolitik neutralisiert. Ernsthafte Käufer prüfen aber immer beide Größen plus die Investitionsquote — und bereinigen selbst nach.

    Kann ich EBIT-Multiples und EBITDA-Multiples umrechnen?

    Nicht pauschal. Der Zusammenhang hängt vom Abschreibungsniveau der Branche ab. Verwenden Sie Multiples immer nur auf der Kennzahl, für die sie erhoben wurden — sonst entsteht eine Scheingenauigkeit, die in der Verhandlung sofort zerlegt wird.

    Der echte Wert entsteht in der Verhandlung, nicht in der Formel. Für eine realistische, unabhängige Einordnung: IGCP Capital Partners. → igcp.at

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    Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag wurde von IGCP Capital Partners auf Basis eigener Transaktionserfahrung erstellt. Bei Recherche und Ausarbeitung kommen auch KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz; alle Inhalte werden vor Veröffentlichung fachlich geprüft.