KfW-Förderkredit für die Unternehmensnachfolge: So finanzieren Nachfolger die Übernahme
IGCP Capital Partners · Veröffentlicht am

Drei KfW-Programme finanzieren die Übernahme eines Unternehmens: StartGeld bis 200.000 Euro, ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge bis 500.000 Euro, ERP-Förderkredit KMU bis 25 Millionen. Bedingungen, Antragsweg, Beispielstruktur.
Wer in Deutschland ein Unternehmen als Nachfolger übernimmt, kann den Kaufpreis mit drei KfW-Programmen zinsgünstig finanzieren: dem ERP-Gründerkredit StartGeld (067) bis 200.000 Euro, dem ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077) bis 500.000 Euro je Antragsteller und dem ERP-Förderkredit KMU (365/366) bis 25 Millionen Euro je Vorhaben. Beantragt wird bei einer Bank oder Sparkasse Ihrer Wahl, und zwar vor Beginn des Vorhabens; klären Sie vor der Unterschrift unter den Kaufvertrag mit der Bank, ob bereits der Vertragsabschluss als Beginn gilt. Stand der Angaben: KfW-Unterlagen vom 10.12.2025 (077, 365), 01.02.2026 (067) und 01.09.2026 (366), abgerufen am 15.10.2026.
Dieser Beitrag richtet sich an Übernehmer, die ein bestehendes Unternehmen kaufen wollen, und an Inhaber, die wissen möchten, wie ihr Käufer den Preis überhaupt aufbringen soll. Die Förderlogik ist dieselbe, ob Sie ein Unternehmen kaufen oder eines übergeben. Einordnung, keine Finanzierungs- oder Rechtsberatung.
Welche KfW-Programme fördern die Übernahme eines Unternehmens?
Drei Programme kommen für die Übernahme eines Unternehmens in Betracht: 077 und 365/366 nennen Übernahme und tätige Beteiligung ausdrücklich als förderfähig, das StartGeld (067) fördert die Übernahme im Rahmen von Gründung und Nachfolge. Sie unterscheiden sich vor allem in Höchstbetrag, Haftungsfreistellung und der Frage, wer antragsberechtigt ist.
| Programm | Höchstbetrag | Finanzierungsanteil | Laufzeit und tilgungsfreie Jahre | Entlastung der Bank | Quelle (Stand) |
|---|---|---|---|---|---|
| ERP-Gründerkredit StartGeld (067) | 200.000 Euro, davon bis 80.000 Euro für Betriebsmittel | bis 100 % der Kosten; Unternehmen bis 5 Jahre am Markt | 5 oder bis 10 Jahre, 1 bis 2 tilgungsfreie Jahre | 80 % Haftungsfreistellung | KfW-Produktinformation 067 (01.02.2026) |
| ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077) | 500.000 Euro je Antragsteller | bis 35 % der förderfähigen Kosten | 15 Jahre mit 5 oder 10 Jahre mit 2 tilgungsfreien Jahren | 100-%-Garantie einer Bürgschaftsbank | KfW-Merkblatt 077 (10.12.2025) |
| ERP-Förderkredit KMU (365, 366) | 25 Millionen Euro je Vorhaben für Übernahme und Beteiligung | bis 100 % der Kosten | bis 5, 10 oder 20 Jahre mit höchstens 1, 2 oder 3 tilgungsfreien Jahren | 365: keine; 366: 50 % Haftungsfreistellung | KfW-Merkblätter 365 (10.12.2025) und 366 (01.09.2026) |
Die Programme 077, 365 und 366 setzen voraus, dass der Antragsteller fachlich und kaufmännisch qualifiziert ist, sofern erforderlich im Handelsregister eingetragen wird und aktiv in der Unternehmensleitung arbeitet; die alleinige Übernahme von Anteilen als Finanzinvestition ist dort ausgeschlossen. Das StartGeld (067) verlangt fachliche und kaufmännische Qualifikation und richtet sich an Unternehmen mit höchstens fünf Jahren am Markt.
Die Zinsen werden aus dem ERP-Sondervermögen vergünstigt. Besonders günstige Konditionen gibt es für Vorhaben in Regionalfördergebieten und für Unternehmen, die weniger als fünf Jahre am Markt sind. Den konkreten Zinssatz legt die Bank anhand von Bonität und Sicherheiten innerhalb der von der KfW vorgegebenen Preisklassen fest; die Maximalzinssätze stehen in der Konditionenübersicht der KfW.
Wie läuft der Antrag ab?
Der Antrag wird bei einem Finanzierungspartner Ihrer Wahl gestellt, also bei einer Bank oder Sparkasse, und zwar vor Beginn des Vorhabens. Die KfW vergibt keinen Kredit direkt an Übernehmer. Welcher Schritt als Beginn gilt, definieren die Merkblätter nicht. Klären Sie das mit der Bank, bevor Sie unterschreiben.
Die Bank prüft Ihr Vorhaben. Erst dann reicht sie den Antrag bei der KfW ein. Für den ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077) kommt ein Schritt hinzu: Der Garantieantrag geht über die Bank an die zuständige Bürgschaftsbank. Erst nach deren positiver Risikoprüfung stellt die Bank den Refinanzierungsantrag bei der KfW.
Das hat eine praktische Folge. Ihr Finanzierungskonzept muss stehen, bevor Sie mit dem Verkäufer exklusiv verhandeln. Businessplan, Lebenslauf und Selbstauskunft nennt die KfW-Produktinformation zum StartGeld; weitere Unterlagen, etwa die Jahresabschlüsse des Zielunternehmens, verlangt die Bank je nach Fall. Wer das in der Due Diligence parallel aufsetzt, spart erfahrungsgemäß Zeit am Ende.
Für Anträge im ERP-Förderkredit KMU mit Haftungsfreistellung (366) bietet die KfW ein beschleunigtes Verfahren an: Beträgt das Eigenrisiko der KfW beim Antragsteller beziehungsweise der Gruppe verbundener Kunden einschließlich des beantragten Kredits höchstens 750.000 Euro und bestätigt die Bank die Fast-Track-Kriterien, prüft die KfW in der Regel innerhalb von fünf Bankarbeitstagen. Die gesamte Kreditprüfung kann länger dauern, weil die KfW nur einen von mehreren Schritten verantwortet.
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Das hängt von der Größe des Vorhabens und von Ihrer Vorgeschichte als Unternehmer ab. Die Merkblätter ziehen hier klare Linien.
Der ERP-Gründerkredit StartGeld (067) ist für kleine Übernahmen gedacht. Bis 200.000 Euro, kein Eigenkapital erforderlich, 80 Prozent Haftungsfreistellung für die Bank. Gefördert werden Gründung, Festigung und Übernahme in der Nachfolge; die KfW nennt ein Unternehmensalter von 0 bis 5 Jahren. Wie das bei der Übernahme eines älteren Betriebs ausgelegt wird, klären Sie mit der Bank.
Der ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077) ist das Programm für den klassischen externen Nachfolger. Antragsberechtigt sind natürliche Personen, die weniger als fünf Jahre geschäftstätig sind. Der Kredit deckt bis zu 35 Prozent der förderfähigen Kosten, höchstens 500.000 Euro je Antragsteller. Übernehmen mehrere Personen gemeinsam, kann jede nach ihrem Anteil einen eigenen Antrag stellen. Die Bank trägt kein Risiko, weil eine Bürgschaftsbank zu 100 Prozent garantiert; Sie haften persönlich, weitere Sicherheiten verlangt das Merkblatt nicht. Dafür zahlen Sie Garantieentgelte von 0,98 Prozent (Bund) und 1,01 Prozent (Bürgschaftsbank) pro Jahr, die im Effektivzins enthalten sind.
Der ERP-Förderkredit KMU (365, 366) ist für größere Übernahmen und für erfahrene Unternehmer. Bis 25 Millionen Euro je Vorhaben, bis 100 Prozent der Kosten. Die Variante mit 50 Prozent Haftungsfreistellung (366) verlangt aber eine Unternehmenshistorie mit Jahresabschlüssen von zwei vollständigen Geschäftsjahren. Beantragt eine natürliche Person, muss sie die letzten beiden Jahresabschlüsse als geschäftsführender Gesellschafter verantwortet haben oder seit mindestens drei Jahren in verantwortlicher Position im Zielunternehmen arbeiten und aus dem Unternehmen heraus die Nachfolge antreten. Ein Erstunternehmer von außen erfüllt das in der Regel nicht; klären Sie das mit der Bank. Für ihn bleibt die Variante ohne Haftungsfreistellung (365) oder das Programm 077.
Wie sieht eine typische Finanzierungsstruktur aus?
Ein KfW-Kredit ersetzt weder Eigenkapital noch die Bank; er ist ein Baustein unter mehreren. Das folgende Beispiel ist eine eigene Rechnung zur Veranschaulichung, keine Zusage und kein Richtwert.
Angenommen, der Kaufpreis beträgt 1,5 Millionen Euro, dazu kommen 100.000 Euro für Beratung, Notar und Anlaufkosten. Der Gesamtbedarf liegt bei 1,6 Millionen Euro.
| Baustein | Betrag | Anmerkung |
|---|---|---|
| Eigenmittel des Übernehmers | 250.000 Euro | rund 16 % des Bedarfs; Banken erwarten einen spürbaren Eigenanteil |
| ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077) | 500.000 Euro | 35 % von 1,6 Millionen wären 560.000 Euro, der Höchstbetrag kappt bei 500.000 Euro |
| Verkäuferdarlehen | 200.000 Euro | nachrangig, zeigt der Bank das Vertrauen des Verkäufers in den Betrieb |
| Bankkredit, zum Beispiel ERP-Förderkredit KMU (365) | 650.000 Euro | bankübliche Sicherheiten; eine Bürgschaftsbank kann einen Teil des Ausfallrisikos absichern |
| Summe | 1.600.000 Euro |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens liegt der Fremdkapitalanteil hoch, deshalb achtet jede Bank auf die Kapitaldienstfähigkeit aus dem laufenden Ertrag des Betriebs. Zweitens trägt der Verkäufer mit dem Darlehen einen Teil des Risikos mit. Wie ein Verkäuferdarlehen fair gestaltet wird, beschreiben wir an anderer Stelle; welche Rolle die Nettoverschuldung im Kaufpreis spielt, erklärt der Beitrag zum Net Debt.
Die Bürgschaftsbanken der Länder können Bankkredite mit Ausfallbürgschaften absichern; nach Angabe der Förderdatenbank (Stand Januar 2024) bis 2 Millionen Euro und höchstens 80 Prozent des Ausfallrisikos. Für die Bürgschaft fällt ein Entgelt an.
Was ist von der Förderung ausgeschlossen?
Die Merkblätter schließen Übertragungen zwischen nahestehenden Parteien und reine Finanzbeteiligungen aus. Nicht gefördert werden:
- Umschuldungen und Nachfinanzierungen bereits begonnener oder abgeschlossener Vorhaben.
- Entgeltliche Übertragungen zwischen verbundenen Unternehmen, zwischen einem Unternehmen und seinen Gesellschaftern, im Rahmen von Betriebsaufspaltungen und zwischen Ehegatten oder Lebenspartnern.
- Der Erwerb eigener Anteile sowie Treuhandkonstruktionen und stille Beteiligungen.
- Die alleinige Übernahme von Anteilen als Finanzinvestition ohne eigene Tätigkeit im Unternehmen.
- Vorhaben auf der Ausschlussliste der KfW und Unternehmen, die unter einen beihilferechtlichen Förderausschluss fallen, etwa Unternehmen in Schwierigkeiten.
Die Übergabe innerhalb der Familie gegen Entgelt ist damit nicht automatisch ausgeschlossen, die Übertragung zwischen Ehegatten schon. Wer den Betrieb der Eltern kauft, sollte die Konstellation vor dem Antrag mit der Bank klären.
Hinzu kommt das Beihilferecht: Die Zinsvergünstigung kann eine De-minimis-Beihilfe sein (so beim Programm 077; beim ERP-Förderkredit KMU sind je nach Fall weitere Wege möglich). Der Gesamtbetrag aller De-minimis-Beihilfen an ein Unternehmen darf in drei Jahren 300.000 Euro nicht übersteigen, und seit dem 01.01.2026 wird jede dieser Beihilfen in einem zentralen Register der Europäischen Kommission veröffentlicht. Ein Rechtsanspruch auf die Förderung besteht nicht; die KfW entscheidet im Rahmen der verfügbaren Mittel.
Was bedeutet das für den Verkäufer?
Die Finanzierbarkeit des Käufers entscheidet darüber, ob der Verkauf zustande kommt, nicht nur der Preis. Im Beispiel oben trägt der Übernehmer den Bedarf von 1,6 Millionen Euro nur, weil der Verkäufer 200.000 Euro stundet. Ohne diesen Baustein bräuchte er mehr Eigenmittel, zusätzliches Fremdkapital oder einen Investor.
Für Inhaber folgt daraus dreierlei. Saubere Jahresabschlüsse der letzten drei Jahre sind die wichtigste Unterlage im Kreditantrag des Käufers, wichtiger als jede Präsentation. Ein Betrieb, dessen Ertrag den Kapitaldienst aus Kaufpreisfinanzierung trägt, ist verkäuflich; einer, dessen Ertrag am Inhaber hängt, nicht. Und wer bereit ist, einen Teil des Preises als Verkäuferdarlehen zu stunden, erweitert den Kreis der möglichen Käufer erheblich.
Die Vorbereitung darauf beginnt lange vor dem Verkauf; der Beitrag zur Unternehmensnachfolge in Deutschland ordnet Wege, Fristen und Anlaufstellen ein. Auch die Beratung auf Verkäuferseite kann in manchen Fällen bezuschusst werden; Konditionen und Antragsregeln stehen unter Beratungsförderung bei Betriebsübergabe. Wer noch keinen Übernehmer hat, kann in der Nachfolgebörse Deutschland anonym inserieren.
Häufige Fragen
Fördert die KfW auch den Kaufpreis selbst?
Ja. In den Programmen 077 und 365/366 ist „Übernahme und Beteiligung“ eine eigene förderfähige Kostenkategorie, neben Investitionen, Betriebsmitteln und Warenlager; das StartGeld (067) fördert die Übernahme im Rahmen von Gründung und Nachfolge. Ausgeschlossen sind Übertragungen zwischen nahestehenden Parteien und reine Finanzbeteiligungen.
Brauche ich Eigenkapital?
Für das StartGeld (067) laut KfW nicht. Beim Programm 077 deckt der Kredit höchstens 35 Prozent der Kosten, der Rest muss aus Eigenmitteln, Bank oder Verkäuferdarlehen kommen. Beim ERP-Förderkredit KMU sind bis zu 100 Prozent finanzierbar, die Bank wird aber einen Eigenanteil erwarten.
Kann ich mehrere Programme kombinieren?
Grundsätzlich ja. Die Merkblätter zu 077, 365 und 366 erlauben die Kombination mit anderen Fördermitteln im Rahmen der Beihilfeobergrenzen. Beim Programm 077 darf der kumulierte valutierende Kreditbetrag aus 077 und ERP-Kapital für Gründung (058) 500.000 Euro je Antragsteller nicht übersteigen.
Was passiert, wenn ich den Kaufvertrag schon unterschrieben habe?
Dann kann das Vorhaben als begonnen gelten, und die Nachfinanzierung bereits begonnener Vorhaben ist in den Programmen 077, 365 und 366 ausgeschlossen. Stellen Sie den Antrag bei der Bank, bevor Sie unterschreiben, und lassen Sie sich den Zeitpunkt bestätigen.
Gilt das auch für Österreich?
Grundsätzlich nein. Die Programme 067 und 077 gelten für Vorhaben in Deutschland; der ERP-Förderkredit KMU kann unter Bedingungen auch Auslandsvorhaben deutscher Unternehmen finanzieren. Für eine Übernahme in Österreich ohne deutschen Bezug sind die Programme nicht gedacht. Zu den Finanzierungswegen beim Unternehmenskauf lesen Sie Unternehmenskauf finanzieren.
Wie lange dauert die Zusage?
Das hängt von der Bank ab. Die KfW selbst prüft im Fast-Track-Verfahren des Programms 366 in der Regel innerhalb von fünf Bankarbeitstagen, sofern ihr Eigenrisiko beim Antragsteller beziehungsweise der Gruppe verbundener Kunden einschließlich des beantragten Kredits höchstens 750.000 Euro beträgt. Beim Programm 077 kommt die Risikoprüfung der Bürgschaftsbank hinzu. Erfahrungsgemäß vergehen von vollständigen Unterlagen bis zur Zusage mehrere Wochen.
Quellen: KfW, Merkblatt Kredit Nr. 077 ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (Stand 10.12.2025); KfW, Merkblatt Kredit Nr. 365 ERP-Förderkredit KMU (Stand 10.12.2025); KfW, Merkblatt Kredit Nr. 366 ERP-Förderkredit KMU mit Haftungsfreistellung (Stand 01.09.2026); KfW, Produktinformation 067 ERP-Gründerkredit StartGeld (Stand 01.02.2026); Förderdatenbank des Bundes, Rückbürgschaften der Länder und des Bundes für Bürgschaftsbanken (Stand Januar 2024). Alle abgerufen am 15.10.2026. Konditionen ändern sich; maßgeblich ist das jeweils aktuelle Merkblatt und die Entscheidung der Bank. Die Beispielrechnung ist eine eigene Veranschaulichung. Einordnung, keine Finanzierungs-, Rechts- oder Steuerberatung.
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